Moria Grace Katutura e.V.

Volunteers Report: Amelie Schneider from Berlin/Germany

Amelie Bag 72dpi
Nun ist sie leider schon vorbei – meine dreimonatige Volunteerzeit im Kinderschutzhaus „Mother Wilhelmina I.N. Afrikaner Private Hostel“ in Windhoek (Katutura), Namibia. Als ich vor einem halben Jahr nach einem Auslandspraktikum gesucht habe und über private Verbindungen von Katharina Wyss vom Kinderschutzhaus in Katutura erfuhr, entschied ich mich für 3 Monate als Volunteer nach Namibia zu reisen.

Meine Zeit im Kinderschutzhaus war unglaublich erlebnisreich und bereichernd. Ein paar Tage nach meiner Ankunft  fuhr ich das erste Mal zum Hostel. „Pappie“, der Mann von Wilhelmina holte mich zusammen mit Sheroline, einer Studentin, die überall im Hostel hilft, wo sie kann, und Tamba, eines der großen Mädchen, ab.Auf dem Weg dorthin konnte ich vieles beobachten: Straßen voll mit Menschen, wacklige Hütten, nah aneinander “gepresst”, Kinder zusammen tanzend und Frauen kochend.

Im Kinderschutzhaus angekommen stürmten die Kinder auf mich zu, umarmten mich und ertasteten erstaunt meine blonden Haare. Ich wurde herzlichst empfangen; die Kinder sangen, tanzten und riefen laut meinen Namen. Es war wie eine richtige Willkommenszeremonie, ich fühlte mich wie die Queen persönlich.

Später ging ich Hand in Hand mit Tamba durch das Haus und schaute mir alle Räumlichkeiten an. Die Küche besteht aus einem kleinen Herd, einem Kühlschrank und einem sehr kleinen Tisch.  Die Zimmer der Kinder sind nach Alter und Geschlecht aufgeteilt. In einem Zimmer stehen ungefähr 4 kleine Hochbetten aus altem Metall.

Desweiteren gibt es eine Sammeltoilette/Waschraum und ein Office, d.h. ein Raum, wo Unterlagen über die Spenden etc. gelagert sind und organisiert werden. ( von Sheroline und den älteren Mädchen).

Schon nach meinem ersten Tag wusste ich: Hier werde ich noch viel erleben! Die nächsten Wochen fuhr ich 4 bis 5 mal am Nachmittag mit dem Taxi zum Hostel und freute mich immer wieder über die lebensfrohen, glücklichen und vorallem dankbaren Kinder. Wir spielten auf dem kleinen Hof, der sich auf dem Gelände des erbauten Hauses befindet, sangen zusammen, tanzten und bastelten fleißig Weihnachtsschmuck und Weihnachtskarten für unsere tollen Spender und Paten.

Die Kinder waren sehr fleißig und konzentriert bei der Sache nachdem wir in einem größeren Raum Platz für unsere „Bastelwerkstatt“  geschafft hatten. Ich war total begeistert, dass keiner nach einer Stunde genug vom Basteln hatte sondern alle, sogar die Kleinsten, total vertieft in ihrer Bastelei waren.

Nachdem die meisten dann fertig waren, machte ich von jedem ein Foto mit seinem selbsterstellten Werk. Sie waren sehr stolz und präsentierten sich gerne vor der Kamera um danach ganz gespannt das Foto anzuschauen und meistens lauthals darüber zu lachen.

So verbrachten wir jedes Mal den Tag fröhlich zusammen im Hostel.

Aber auch außerhalb des Kinderschutzhauses erlebte ich die Kinder und ihren alltäglichen Lebensstil. Wir fuhren z.B. zusammen durch Katutura um Einkäufe zu erledigen, wobei das Brot immer separat  bei einer größeren Pruduktionshalle gekauft wurde, da es hier sehr viel günstiger zu erwerben war. Das zeigte mir, dass sie trotz Schwierigkeiten mit Geld haushalten zu können, Preise verglichen und nicht irgendetwas unbedacht kauften.

Viele Menschen in Katutura sind auf einer Farm aufgewachsen und haben immer mit Naturalien gehandelt oder sich vollständig durch Subsistenzwirtschaft ernährt. Daher fehlt ihnen meistens der Bezug zum Geld bzw. ist es für sie schwer, mit Geld umzugehen.

Zum Einkaufen kamen aber immer zwei der größeren Kinder mit, da sie, auch durch die Schulbildung, gelernt haben, „wie man einkauft“. Ein paar Tipps konnte ich ihnen trotzdem ab und zu geben, jedoch ist es auch schwierig günstig und gleichzeitig gesund einzukaufen. Als Beispiel kann ich den Butteraufstrich nennen. In den Supermärkten gibt es teuren Butter- oder Margarineaufstrich sowie billigen Fettaufstrich. Nun kann man sich denken, welcher  eingekauft wurde. Aber dagegen kann man schwer etwas sagen, denn wenn das Geld so knapp ist, muss ein ungesunder Fettaufstrich eben ausreichen…

Ein wunderschönes, spannendes Erlebnis außerhalb des Hostels war der Besuch zusammen mit Katharina auf der alten Farm Wilhelminas. Dort gibt es keinen Strom und das Wasser wird aus dem Boden gepumpt.

Die Farm liegt ein wenig nördlich von Windhoek, ca. 1,5 Stunden mit dem Auto entfernt.

Als wir dort ankamen und uns alles anschauten, wurde uns klar, dass dies das richtige „zu Hause“ für die Kinder und Wilhelmina ist. Die Räume sind entweder aus Wellblech oder aus Stein gebaut. Desweiteren sind sie gemütlich eingerichtet mit ein paar kleinen Dekorationen. Auf dem Gelände gibt es außerdem ein paar Schweine und Pferde. Sie werden als Nutztiere gehalten. Ein kleiner Gemüsegarten soll neben dem „Haus“ entstehen.

Die Kinder leben in der Ferienzeit hier, ohne Strom, aber glücklich! Sie haben alles, was sie brauchen. Die Farm liegt nah an einem trockenen Flussbett, wo sie oft Fußball spielen oder andere gemeinschaftliche Aktivitäten ausüben können.

Es war so schön mit anzusehen, wie fröhlich und friedlich alle zusammen spielten, obwohl man meinen könnte, dass man genug von 59 anderen Geschwistern um sich herum hat.

Wilhelmina und die Kinder beten sehr viel, was ich immer wieder bemerkte. Ich denke, das Beten gibt ihnen Hoffnung und ist eine große Stütze in schlechteren Zeiten gewesen.

Mit der Zeit bekam ich immer mehr das Gefühl, Vertrauen geschenkt zu bekommen. Eines Tages bat mich Wilhelmina, ihr Ratschläge zum Thema Verhütung zu geben, da sie den größeren Mädchen zur Sicherheit in den Ferien, wenn sie ab und zu Freunde besuchen gehen, eine Verhütungsspritze verabreichen wollte. Zwar sollen die Mädchen abstinent bleiben und wollen es auch, jedoch hatte sie Bedenken wegen möglicher unerwarteter Situationen oder Vergewaltigungen.

Da ich über die Verhütungsspritze (bei uns Dreimonatsspritze) nicht ausreichend Bescheid wusste, versprach ich, mich gründlich zu informieren und eine Gesprächsrunde mit den Jugendlichen zu führen.

Dieses entgegengebrachte Vertrauen (Sex, Verhütung, Schwangerschaft ist immer noch ein Tabuthema in Namibia) nutzte ich gleich, um einen kompletten Aufklärungsworkshop durchzuführen. Mit Materialien vom „Namibia Women’s Health Network“ und ausführlichen Recherchen bereitete ich eine Gesprächsrunde rund um die Themen Pubertät, sexuelle Beziehungen, Verhütung, Schwangerschaft, HIV/Aids und sexuelle Übergriffe  vor. Wilhelmina war damit einverstanden und so konnte ich erfolgreich Wissenslücken sowie falsche Mythen, die hier oft erzählt werden, aus dem Weg schaffen.

5 der großen Mädchen und 4 der großen Jungs (zwischen 16 und 18) nahmen an der Aufklärungsrunde teil und  waren zum Schluss begeistert. Sie bedankten sich mehrmals, nachdem wir ein kleines Wissensquiz und eine Zusammenfassung gemacht hatten.

Natürlich war ich sehr froh darüber und hatte das Gefühl, wirklich etwas bewirkt zu haben. (ausführlicher Bericht auf meinem Blog: https://namibiaamelie.wordpress.com/2012/12/05/schweistreibendes-erlebnis-in-katutura-und-meine-aufklarungsstunde/)

In meiner letzten Woche verfolgte ich den gesamten alltäglichen Ablauf der Kinder mit der Kamera. Auf den kleinen Videos, die noch zusammengeschnitten werden müssen, sieht man, wie wichtig Essensrituale, Beten und Freude im Kinderschutzhaus sind.

Um vier Uhr morgens stehen die Kinder auf und helfen bei der Zubereitung des Frühstücks, was meistens Maisbrei ist und draußen in einem großen Topf auf einer Flamme gekocht wird.

Vor dem Essen wird gebetet und gesungen, danach werden die Kinder gewaschen und schlüpfen in ihre Schuluniform. Um halb sechs geht es dann schon los zur Schule.

Pappie fährt jeden Morgen um diese Uhrzeit mit einem kleinen, alten und klapprigen Wagen los damit alle Kinder rechtzeitig um acht Uhr an ihren verschieden Schulen sind. Er muss öfters fahren, trotz Gequetsche (20 Kinder) auf der kleinen Ladefläche des Autos. Hierfür wird Benzingeld benötigt; der Weg zur Schule ist viel zu lang um dort hinzulaufen und öffentliche Verkehrsmittel gibt es ja nicht.

Oma Inge, eine der größten Spender und 15-jährige Unterstützerin des Hostels, bezahlt alle Schulgelder und ermöglicht den Kindern somit eine wichtige Grundbildung und Chance für ihr Zukunftsleben.

Sie schätzen die Schule sehr und erzählten mir, wie viel Spaß ihnen die Schule macht und dass sie wissen, wie wichtig die Schulbildung für ihre Zukunft ist.

Nachmittags werden alle wieder abgeholt und essen gemeinsam Mittag, was meistens auch aus Maisbrei besteht. Wenn genügend Geld vorhanden ist, wird auch mal Reis mit einer leckeren Soße gekocht oder Fleisch verarbeitet.

Danach geht es an die Hausaufgaben. In meiner Aufenthaltszeit hat sich eine kleine Hausaufgabenplanung profiliert und die Kinder bekommen Hilfe von Sheroline. Meistens wird zum späteren Nachmittag ein kleines Nickerchen auf dem Boden gemacht. Sie haben zwar Betten, aber dies ist ein Teil der Nama-Kultur.

Dieser Tag war sehr eindrucksvoll für mich und ich hoffe, dass das Video sehr bald zusammengeschnitten werden kann damit jeder einen kleinen Einblick in den Alltag der Kinder des Hostel bekommen kann.

Am letzten Tag kam Claudia Engling, Zahnprophylaktin, ins Kinderschutzhaus und brachte neben ihrem spannenden Vortrag neue Zahnbürsten sowie Zahnpasta mit. Die Kinder hatten sehr viel Spaß und wissen schon sehr viel über Zahnhygiene!

Nach diesem Tag war ich unglaublich traurig sodass mir auch ein paar Tränen die Wange herunter kullerten… Die Kinder verabschiedeten mich mit lautem Gesang und Tanz und rannten dem Auto hinterher. Ich war traurig und glücklich zugleich.

Die drei Monate vergingen viel zu schnell, doch die Zeit, die ich hatte war einfach wundervoll!

Ich durfte in eine völlig andere Kultur eintauchen und so viele Dinge in kurzer Zeit erfahren und erleben, wie noch nie!

Abschließend möchte ich sagen, dass  Wilhelmina, Pappie, Sheroline und alle Kinder des „Mother Wilhelmina I.N. Afrikaner Private Hostels“ es wert sind, für sie zu spenden und das Projekt zu unterstützen! Jeder von ihnen bewältigt die schwierige Situation meisterhaft.

Dankbarkeit, Freude und eine positive Lebensenergie haben mich angesteckt und merken lassen, was wirklich wichtig auf dieser Erde ist: Gemeinsam LEBEN, UNTERSTÜTZEN, HELFEN, TEILEN und stets eine FRÖHLICHE SEELE haben!

Amelie Schneider

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3 comments on “Volunteers Report: Amelie Schneider from Berlin/Germany

  1. Peter Kilian
    22/08/2013

    Liebe Amelie, ich bin durch einen Newsletter auf deinen Bericht aufmerksam geworden und habe ihn mit Begeisterung gelesen! Vor allem imponierte mir, wie du das Thema Verhütung im Kreis der älteren Kinder angegangen bist. Das war toll vorbereitet und klasse umgesetzt! Ich kann mir vorstellen, dass es diese Kinder wahnsinnig schwer haben, zu diesen Themen Infos und vertrauensvolle Tipps zu bekommen. Ich wünschte, wir hätten mehr Menschen von deinem Schlag 😉 Ich kenne und fördere (leider viel zu wenig!) Moria Grace seit 2006 und kenne Wilhelmina auch persönlich, eine beeindruckende Frau. Es ist höchste Zeit, mal wieder dort unten aufzuschlagen und ein Besuch abzustatten. Ich danke dir nochmals sehr für deine Tätigkeit vor Ort und deinen tollen Bericht! Ganz liebe Grüße Peter

    • katharinawyss
      22/08/2013

      Lieber Peter, ich leite Deine Post sofort an Amelie weiter.

      Ganz herzlichen Dank auch für Deinen Einsatz als Spender. Jeder einzelne Euro der an das Schutzhaus geht ist geschenkte Aufmerksamkeit, Deine erwirtschaftete und bereitgestellte Energie.

      Falls Du auf Facebook bist, dort kannst Du uns auch folgen.

      herzliche Grüße
      Katharina

    • Amelie
      23/08/2013

      Lieber Peter,

      das freut mich, dass dir der Bericht gefällt! Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und ich habe so viel Erfahrungen mitgenommen, die immer Einfluss auf mein Leben haben werden.

      Vielen Dank für deine Unterstützung! Wenn ich könnte, würde ich auch sofort wieder hinfliegen 😉

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